Die politische Krise in der Türkei hat nun auch unmittelbare Auswirkungen auf die internationale Jugendarbeit. Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e.V. (IBB) erhielt am Donnerstagabend die Nachricht, dass die Jugendgruppe aus der Türkei nicht zu einer im August geplanten deutsch-türkischen Jugendwoche nach Dortmund kommen wird. Wegen faktischer Reisebeschränkungen und der unsicheren Situation steigt außerdem ein anderer türkischer Projektpartner aus dem internationalen Jugendworkcamp-Förderprogramm ewoca³ aus.

Vom 2. bis 9. August wollten sich Jugendliche aus den türkischen Städten Muğla und Eskişehir mit jungen Menschen aus Dortmund treffen, um sich über freiwilliges soziales Engagement in ihren Ländern auszutauschen. Doch die Jugendbegegnung „BeActive4 MUDO“ kann nicht stattfinden. Wegen der unsicheren Situation hat das Kommunale Jugendzentrum Muğla die Reise nach Deutschland auf unbestimmte Zeit verschoben.

„Wir bedauern sehr, dass die Jugendbegegnung nicht zustande kommt“, sagt Hildegard Azimi-Boedecker, Leiterin des Fachbereichs Beruf International und Migration des IBB e.V. „Wir hoffen, dass wir die Arbeit in dem von uns ins Leben gerufenen Jugendnetzwerk Dortmund-Muğla bald fortsetzen können. Wie und wann genau das möglich sein wird, ist aktuell noch unklar.“ Das IBB hatte für August ein anspruchsvolles Programm geplant: Begegnungen mit Aktiven in der Flüchtlingshilfe, aktive Mitarbeit bei der Dortmunder Tafel, Informationen zur Dortmunder Freiwilligenagentur und interkulturelle Begegnungen. Für Oktober war der Rückbesuch in die Türkei geplant.

Auch für andere Austauschprojekte hat die Krise in der Türkei Auswirkungen. So teilte die südost-anatolische Gemeinde Gaziantep jetzt kurzfristig mit, dass sie aus dem vom IBB organisierten europäischen Workcamp-Förderprogramm ewoca³ aussteigt. Vom 8. bis 22. August wollten sich Jugendliche aus Köln, der Türkei und Rumänien im rumänischen Cluj-Napoca treffen, um Restaurierungsarbeiten im Umfeld der historischen Kirchenburg durchzuführen und sich mit der Geschichte von Minderheiten in der Region auseinanderzusetzen. Das Workcamp wird somit ohne den türkischen Projektpartner stattfinden. Für das kommende Jahr wird das IBB gemeinsam mit den verbleibenden Partnern nach Lösungen suchen.

„Die Zusammenarbeit mit der Türkei hat einen hohen Stellenwert in unserer Arbeit“, sagt Elke Wegener, Geschäftsführerin des IBB e.V. „Daher sind wir betroffen über diesen Rückschlag für die internationale Jugendzusammenarbeit. Wir stehen seit 30 Jahren für internationalen Austausch und Dialog und haben diesen Weg immer auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen verfolgt. Da wir auf eine gute Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der Türkei zurückblicken können, bin ich zuversichtlich, dass wir bald wieder daran anknüpfen können.”

Türkei-Krise erreicht Jugendbegegnungen