Während europaweit über Grenzschließungen und mehr Abschottung diskutiert wird, haben sich in Hattingen an der Ruhr VertreterInnen von 45 Jugendeinrichtungen aus 17 europäischen Ländern getroffen. Mit internationalen Jugendbegegnungen wollen sie gemeinsam ein Zeichen für ein offenes Europa setzen. Diesen Sommer und Herbst sollen 15 Workcamps in elf Ländern stattfinden. Im DGB-Jugendbildungszentrum Hattingen haben sich die Aktiven vom 10. bis 14. März weiter vernetzt und ihre Projekte geplant.

IMGP5553Sie bauen eine ökologische Gartenanlage in der Türkei, sind aktiv gegen Rassismus in Italien, errichten eine Holzbühne auf der griechischen Insel Samothraki, helfen bei der Gedenkstättenarbeit in Polen und treffen sich mit Geflüchteten in Deutschland: Die Projekte sind vielfältig, aber es gibt Gemeinsamkeiten. Immer sind Jugendliche aus drei Ländern beteiligt, immer geht es um zivilgesellschaftliches Engagement – und vor allem auch um handfeste Arbeiten, die jeweils die Situation vor Ort verbessern.

„Es ist aufregend, hier in Hattingen dabei zu sein“, sagt Elke Wegener, Geschäftsführerin des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk e.V. (IBB). Die vom IBB durchgeführten Förderprogramme ewoca³ und ewoca³(+) machen die Projekte möglich. „Wir wollen Grenzen überwinden – auch zwischen der EU und den Nachbarländern. Deswegen freue ich mich besonders, dass sich auch Träger der Jugendarbeit aus Bosnien und Herzegowina, Russland, der Türkei, Belarus und der Ukraine beteiligen.“

IMGP5368Wie Verständigung selbst unter schwierigsten Bedingungen funktionieren kann, wollen Jugendliche aus Köln, Russland und der Ukraine zeigen: Sie treffen sich im Sommer in Guljajewka in Sibirien, um dort ein mobiles Jugendcafé zu betreiben. Ihr „One World Café“ werden die Aktiven auch selbst nutzen, um sich gemeinsam mit der Situation in ihren Ländern auseinanderzusetzen. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, welchen Beitrag internationale Jugendarbeit angesichts der aktuellen Krisen leisten kann“, sagt Elke Wegener. „Aber wir müssen auch warnen: Weitere Grenzschließungen wären nicht nur schlecht für unsere europäischen Gesellschaften, sondern gefährden auch solche Projekte.“

„Wir lassen uns von politischen Debatten nicht einschüchtern“, sagt Bálint Jósa von der ungarischen Organisation Szubjektiv, die sich für Vielfalt und Ökologie engagiert. In diesem Jahr beteiligt sie sich zusammen mit der Jugendakademie Walberberg aus Bornheim/Deutschland an einem Öko-Projekt in Bosnien-Herzegowina. Vergangenen Sommer haben die drei Projektpartner bereits gemeinsam ein ökologisches Dorf in Ungarn unterstützt. „Mit dieser praktischen Arbeit können wir am besten zeigen, was für ein Europa wir uns wünschen. Hier auf dem Kongress in Hattingen haben wir jetzt die Grundlagen für ein weiteres Jahr guter Zusammenarbeit gelegt.“

ewoca³-Kongress in Hattingen: Europa, jetzt erst Recht!